Unter dem Namen Schwarzwald findet sich Schinken, wie der Schnaps, die Schwarzwaldklinik wie die Kirschtorte. Oft in Verbindung mit dem Bollenhut und dem Schwarzwaldhaus. Trotz aller dieser erfolgreich besetzten claims, wie dies neudeutsch bezeichnet wird, ist die Liste den Krisenmeldungen aus dem Schwarzwald lang. Die Süddeutsche Zeitung titelte am 11.6.08: "Und einsam Ruft der Kuckuck - der Schwarzwald in der Krise"
Die Straßenränder im Schwarzwald säumen die Schilder des BDMs mit Forderungen nach auskömmlichen Milchpreisen. Das Bundesamt für Naturschutz fragt: "Where have all the flowers gone" und beklagt den Verlust von Wiesen und Weiden mit bunten Blumen durch die intensive Landwirtschaft. Die Bauern fordern als Ausgleich für die langen Winter und steilen Hänge Unterstützung durch die Politik.
Eines ist sicher, der Schwarzwald verändert sich. Für die Förster der Markgrafschaft Baden, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts vor die schier unlösbare Aufgabe gestellt wurden, den abgeholzten Schwarzwald wieder aufzuforsten, wäre der heute Anblick des Schwarzwaldes eine wahrhaft traumhafte Welt. Der Schwarzwald war und ist aber nicht nur bäuerliche- und forstwirtschaftliche Kulturlandschaft, sondern geprägt von vielen weiteren Aktivitäten.
Entscheidende Wirtschaftsträger waren der Bergbau, die Glasherstellung, die Uhren- und die Textilindustrie. Bergwerke und Glashütten existieren nur noch als Museen. Die Uhren- und Textilindustrie ist, verglichen mit Ihren Hochzeiten, nur noch ein kümmerlicher Rest. Der Schwarzwaldbauer, der in früheren Zeiten als Ackerbauer auch Selbstversorger war, ist heute ein reiner Milch- und Grünlandspezialist und damit besonders abhängig vom Milchmarkt. Der Tourismus, heute einer der wichtigsten Wirtschaftsträger, ist eine vergleichsweise junge Erscheinung.
Der weltweite Handel und die Globalisierung und wirken schon seit Jahrhunderten. Die Entdeckung Amerikas im 15. Jahrhundert führte zum Verfall der Silberpreise und erzwang den Niedergang des Schwarzwälder Silberbergbaus. Billige Konkurrenz aus dem Ausland war eine Ursache für die Krisen der Textil- und der Uhrenindustrie in den letzten Jahrzehnten. Milch kann heute in vielen Regionen Europas kostengünstiger als im Schwarzwald produziert werden. So gesehen ist die Globalisierung nichts Neues, sondern ein altbekannter Zusammenhang. Als Herausforderung kann allenfalls die Geschwindigkeit der Veränderung gesehen werden. Sind daher die Bauernproteste für höhere Milchpreise aussichtslose Wunschvorstellungen? Bestimmt der Weltmarkt und hat man sich als Einzelner dem Geschehen zu fügen?
Das Beispiel Uhrenindustrie demonstriert, dem ist nicht so! Zu den Blütezeiten der Schwarzwälder Uhrenindustrie wurde hier jede 3. Uhr der Welt hergestellt. Es ist wohl nicht anzunehmen, dass die Berge oder das Klima besonders förderlich für die Uhrenproduktion gewesen wären. Die Brauerei Rothaus ist heute eine der erfolgreichsten Biermarken Deutschlands, sicherlich nicht weil im Schwarzwald besonders gut Braugerste und Hopfen wachsen. Entscheidend sind Akteure, die sich ergebende Chancen klug und erfolgreich umsetzen. Diese Erkenntnis sollte uns im Schwarzwald Mut zur Gestaltung geben.
Die Bauern, der Tourismus und der Naturschutz sind gerade im Schwarzwald untrennbar miteinander verbunden. Die noch verbliebenen, artenreichen Wiesen und Weiden sind vielfach wertvolle Naturschutzflächen. Die halboffene Schwarzwaldlandschaft ist ein Aushängeschild des Schwarzwaldtourismus und macht die Attraktivität der Landschaft aus. Landwirtschaft, Tourismus und Naturschutz sitzen daher in einem Boot - gemeinsames Rudern ist also angesagt.
Es gibt bereits viele Akteure und auch regionale Initiativen, die für die Zukunft im Schwarzwald Ideen entwickelt haben. Jetzt geht es darum, diese Gedanken zu einem gemeinsamen, starken Netzwerk auszubauen. Dies ist das Ziel des Schwarzwaldgipfels. Der Kerngedanke ist: Das Flaggschiff Schwarzwald bietet als weltbekannte Marke noch viele Potentiale und Möglichkeiten. Diese gilt es gemeinsam zu entwickeln. Lassen Sie uns daher gemeinsam einen Blick über den Tellerrand wagen und neue Ideen diskutieren. Kommen Sie am 22. April ins Kurhaus in Schluchsee.
| Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung der ländlichen
Räume (ELER): Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete. |